«Spaziergangswissenschaften» - soll das ein Witz sein?

Ganz und gar nicht. Ihr visionärer Begründer, der Architektur- und Planungskritiker Lucius Burckhardt, hat Wissenschaft, Kunst und Politik sowie Ökologie, Bauen und Stadtplanung zusammengedacht wie kaum ein anderer. Eine Spurensuche zu seinem 100. Geburtstag.

Gedenktage haben ja manchmal etwas betulich Bildungsbürgerliches oder gar Verstaubtes an sich. Bei Lucius Burckhardt (1925 – 2003) gilt das Gegenteil. Man erschrickt förmlich, wie brandaktuell seine Fragestellungen gerade heute sind. Und staunt, wie taufrisch, originell, radikal, witzig und getränkt von einem tiefen Sach- und Kulturverstand seine Denkansätze weiterhin wirken. Er hat als Forscher und akademischer Hochschullehrer Generationen von Architektinnen, Planern und Künstlerinnen geprägt – und sorgt gerade jetzt für ein inspirierendes Revival.

Eine Ausstellung in Basel sowie zahlreiche Veröffentlichungen und vielfältige Begleitveranstaltungen laden ein zu einer vertieften Auseinandersetzung mit diesem transdisziplinären Denker und Praktiker, der sowohl grüne Stadt- und Landschaftsplanung als auch das Alltagsleben und künstlerische Interventionen so ernsthaft wie sinnlich miteinander zu verknüpfen versteht.

Und ein kurzer Blick auf Vorläufer und Nachfolgerinnen der Burckhardtschen Kulturtradition zeigt: Denken und Entwicklung hängen immer auch mit Bewegung, mit Unterwegssein, mit Aufbruch und Umbruch zusammen – menschlich, künstlerisch und politisch.

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Lucius Burckhardt brachte seine Gedanken auch in Cartoons zum Ausdruck. (Bild: Nachlass L. & A. Burckhardt, UB Basel)

Lucius Burckhardts Hauptinteresse als Wissenschaftler und Bürger gilt der Planung öffentlicher Räume, den Eingriffen in eine Landschaft oder in einen städtischen Kontext. Wer plant die Planung? Wer ist davon ausgeschlossen? Wie erreicht man eine effektive Partizipation der Betroffenen? Weil Burckhardt so viele schlechte Beispiele sieht, wird er zum Skeptiker gegenüber den «grossen Würfen», die generalstabsmässig und modellhaft vom Schreibtisch aus über die verschiedensten Situationen gestülpt werden. Und er zeichnet gleich selber seine bissigen Cartoons und Karikaturen dazu.

Wenn man an dieser Kurzsichtigkeit etwas verändern will, schlussfolgert er, muss man bei der Ausbildung der Planenden ansetzen. So kreiert er als Professor für Sozioökonomie urbaner Systeme an der Reformuniversität Kassel, zusammen mit seiner Frau Annemarie, ab Mitte der Siebzigerjahre den Studiengang «Spaziergangswissenschaften» als ein didaktisch-methodisches Konzept, um die Planung vom Reissbrett und aus dem Vorlesungssaal hinaus in die reale Umgebung zu verlagern.

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«Und dieser Teil der Gesamtkonzeption soll bewirken, daß die Leute die Notwendigkeit der Autobahn verstehen.» (Bild: Nachlass L. & A. Burckhardt, UB Basel)

Wahrnehmungsforschung am lebendigen Subjekt und Objekt

Und dafür muss zuallererst die Wahrnehmung aller Beteiligten geschult werden. Denn unser Sehen, weiss Burckhardt aus seinen breiten kulturwissenschaftlichen Studien in allen Sparten, ist immer zutiefst historisch bedingt und mannigfach vorgeprägt. Wir sehen, was wir zu sehen gelernt haben. Durch literarische Beispiele, filmische und sonstige visuelle Codes, durch Vor-Bilder und Realerfahrungen. Gleichzeitig filtert unser Sehen ständig aus, was stört und nicht in die Situation zu passen scheint. Es geht also darum, sich dieses komplexe Sehen zuerst bewusst zu machen und die reale Umgebung wieder in die Köpfe der Menschen zurückzuholen. Mit gezielt reflektierenden Spaziergängen. Und manchmal auch mit Methoden, die durchaus an Brechts Verfremdungstechniken erinnern.

Burckhardts «Spaziergangswissenschaften» sind also in erster Linie Wahrnehmungsforschungen am lebendigen Subjekt und Objekt. Am besten lässt man sich direkt hineinfallen in ein paar plastische Exempel dieser kreativ-aufmüpfigen Methode, die Burckhardt später – mit einem durchaus ironischen Twist – auch «Promenadologie» genannt hat. Das klingt dann schon etwas akademischer.

«Die Fahrt nach Tahiti»

Eine Art Urspaziergang ist «Die Fahrt nach Tahiti». Im Seminar der Reform-Uni Kassel lesen die Studierenden Auszüge aus Georg Forsters Bericht über dessen Weltumseglung mit Captain Cook (1772-1775), vor allem die Passagen über die Insel Tahiti. Anschliessend geht’s natürlich nicht für einen coolen Südseetrip ab ins Flugzeug, sondern die Seminarteilnehmenden spazieren gleich um die Ecke zu einem ehemaligen Truppenübungsgelände. Da hat sich in den Kratern der Artilleriegeschosse und auf den Rampen der Panzerpisten inzwischen ein Naturschutzgebiet entwickelt mit einer wunderbaren, wildschönen Vegetation, die überraschend gut zu den Beschreibungen Forsters aus dem Inselparadies passt. Schauspieler tragen in zehn Stationen typische Stellen aus Forsters Reisebericht vor. Differenz und Analogie, Geschichtlichkeit und Gegenwart werden augenfällig und sinnlich erlebbar. Wir sehen, was wir zu sehen gelernt haben.

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«Die Fahrt nach Tahiti» - ein Spaziergang im Jahr 1987 an der Reform-Uni Kassel. (Bild: Klaus Hoppe / Nachlass L. & A. Burckhardt, UB Basel)

Ein Jahr später wird der Spaziergang auch am Rande von Mailand durchgeführt, in einer örtlichen Mischlandschaft von Industriebrache, stillgelegten Bahngeleisen, Resten von Bauernhöfen und einer prächtig farbigen Flora. Spielerisch inszenatorisch werden an beiden Orten, in Kassel und Mailand, grosse runde Brote in die Bäume gehängt, um die Vorstellung von exotischen Brotfruchtbäumen zu evozieren. Und immer geht es um die tieferen Fragen: Was macht Natur zur Landschaft? Wie setzt sie sich in unserem Hirn zusammen? Warum ist Landschaft schön? Das Exempel beweist: Die Burckhardt-Methode ist mobil und lässt sich an verschiedenen Orten angepasst inszenieren.

Das Uni-Seminar auf dem Parkplatz

Etwas weniger idyllisch nimmt sich ein weiteres spaziergangwissenschaftliches Experiment aus. Burckhardt verlegt sein Seminar mit Tischen und Stühlen auf zwei Parkfelder in der Kasseler Innenstadt. Ausgangspunkt ist die Überlegung: Warum eigentlich kann Stadtboden, der Tausende von Franken wert ist, fraglos von einem parkierten Auto in Anspruch genommen werden? «Ich könnte ja auch meinen Kleiderschrank, meinen Kochherd oder meinen Schreibtisch vor meinem Haus auf der Strasse aufstellen», überlegt sich der störrische Professor.

Diese städtische Intervention soll aber nicht die Behörden provozieren, sondern die Studierenden und das zufällige Publikum zum Nachdenken anregen. Und deshalb wird die Aktion auch ganz ordentlich bei der Polizei angemeldet. Die Ordnungsmacht verpflichtet den Professor drauf, während der ganzen Dauer des Geschehens eine weiss-rot karierte Fahne zu schwenken. «Weshalb müssen das die Besitzer parkierter Autos nicht?», fragt sich der Hochschullehrer. Die Reaktionen des Publikums, schreibt Burckhardt danach, beschränken sich auf die üblichen Ausdrucksgesten der Autofahrer: Hupen, Kopfschütteln, Finger an die Stirn halten – und gefährlich nahes Vorbeifahren.

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Unterricht in der «Parkbucht». (Bild: Nachlass L. & A. Burckhardt, UB Basel)

Natürlich steckt in diesen Konzepten auch ein rebellischer, an 1968 erinnernder Reflex. Aufklärung als Happening. Lucius Burckhardt selber war zur Zeit der Studentenrevolte zwar bereits 43-jährig und empfand sich selber als zu alt, um dieser Bewegung zugerechnet zu werden. Aber diesen alles hinterfragenden Widerspruchsgeist hat er selber schon mitgebracht, und er passt bestens zu seiner tabufreien, nonkonformistischen Grundhaltung. Später wird Burckhardt dazu schreiben: «Mit unseren Spaziergängen schalten wir die Angst vor dem Ungewohnten aus. Und ausserdem macht es Spass.»

Der doppelte Perspektivenwechsel

Ein zentraler Punkt der Spaziergangswissenschaften ist der Perspektivenwechsel. Bei Burckhardts «Autofahrerspaziergang» durch eine verkehrsreiche und trottoirlose Ausfallstrasse von Kassel passiert er gleich doppelt. Alle Studierenden tragen eine Windschutzscheibe vor sich her und nehmen so den beschränkten Blickwinkel eines Autofahrers ein. Gleichzeitig werden sie hautnah und ohne schützendes Blech um sich herum von den überholenden Autos bedrängt. Sie sind Subjekt und Objekt zugleich und in beiden Rollen unpassend und ungeschützt – aber wie die Bilder zeigen, offensichtlich vergnügt.

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Der «Autospaziergang» 1992 den Burckhardts mit Studierenden in Kassel durchführen, macht auf die eingeschränkte Wahrnehmung von Autofahrenden aufmerksam. (Bild: Bertram Weisshaar / Nachlass L. & A. Burckhardt, UB Basel)

Viele von Burckhardts Interventionen wirken als bewusstseinserweiternde Rollenspiele. Sinnlich, körperlich, reflektierend. Wer sie mal mitgespielt hat, wird sie nicht mehr vergessen. Man kann davon ausgehen, dass es Lucius Burckhardt genau um diese Form der Nachhaltigkeit gegangen ist.

«Das Zebra streifen» - eine Selbstermächtigung

Ein besonderes Fest muss die Aktion «Das Zebra streifen» gewesen sein, die Studierende und Freunde für und mit Lucius Burckhardt zu seiner Emeritierung organisierten. Mit einem 30 Meter langen mobilen Zebrastreifen unterm Arm ziehen über 600 Menschen durch Kassel und rollen ihn überall dort aus, wo sie sicher und bequem mehrspurige Strassen überqueren wollen. Wenn Verkehrsplaner versagen, sorgen die schwächsten Teilnehmer im Stadtverkehr für Selbsthilfe.

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Protest gegen das Auto als vorherrschendes Verkehrsmittel: Mit der Aktion «Das ZEBRA streifen» überqueren Lucius Burckhardt und seine Studierenden eine sechsspurige Autostrasse in Kassel an beliebiger Stelle.

«Einmal wieder durch die Stadt ziehen, wie das früher möglich war», kommentiert Burckhardt schlitzohrig die Aktion: «Wer sich nicht strafbar machen will, weil er unbefugt die Fahrbahn überquert, der führt selber einen Zebrastreifen mit sich.»

Das erinnert übrigens auch an den Stadtspaziergang «Remote X», den die Performance-Gruppe Rimini Protokoll vor gut einem Jahrzehnt, also 20 Jahre nach Burckhardt, in Basel und Zürich durchgeführt hat und mit dem sie inzwischen weltweit auf Tour geht. Das Publikum spaziert durch eine stadtnahe Brache (Was gibt es da zu sehen?), über einen Friedhof (Was gibt es da zu fühlen?), reflektiert über Sinnfragen, beobachtet den vorstädtischen Feierabendverkehr, als wären all diese einsamen Autofahrer und Trampassagiere gewiefte Darsteller, das Ganze also eine verfremdete Inszenierung fürs Publikum. Die Inputs und Anweisungen für die Theater-Spaziergänger kommen über die Kopfhörer.

Jetzt soll die ganze Grossgruppe eine verkehrsreiche Strasse überqueren – und weit und breit kein Fussgängerstreifen. Die Botschaft im Kopfhörer: «Die Verkehrsforschung hat bewiesen: Wenn Sie im geschlossenen Schwarm eine noch so verkehrsreiche Strasse überqueren, passiert niemandem etwas!» Und es klappt tatsächlich problemlos. Leibhaftige Schwarmintelligenz?

Man darf aufgrund vieler Parallelen davon ausgehen, dass Rimini Protokoll die Burckhardtsche «Spaziergangswissenschaft» bestens gekannt und auf ihre Art rezipiert hat. Kein Klau, sondern eine anregende Synergie, so wie sie Lucius Burckhardt auch umgekehrt in seiner Forschung selber immer wieder mit verschiedenen Kunstschaffenden gepflegt hat, mit Joseph Beuys, Daniel Spoerri, Bernard Lassus, Paul-Armand Gette und vielen anderen.

Der aktivistische Forscher und Hochschullehrer Burckhardt war auch selber künstlerisch begabt. Seine landschaftstheoretischen Aquarelle sprühen vor Witz und Anspielungen in alle Richtungen.

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Lucius Burckhardt bei einer seiner liebsten Tätigkeiten, dem Zeichnen. Auf der Exkursion «Warum ist Landschaft schön» in Vrin im Lugnez, 1979. (Bild: Nachlass L. & A. Burckhardt, UB Basel)

Sein Bildungshorizont umfasste Natur- und Geisteswissenschaften sowie alle Sparten der Kunst. Lucius Burckhardt hat eine unüberschaubare Zahl von Medien und Ausdrucksformen hinterlassen: Bücher, Fotos, Aktionen, Aquarelle, Fachartikel, Kolumnen, Interviews, Flugblätter, Cartoons etc. – bis hin zu Theaterstücken und Filmdrehbüchern. Hinzukommen noch die 34'000 Bilder seiner Diasammlung. Es ist ein Universum.

In all diesem ganzen Schaffen und Wirken hat Burckhardt die zentralen Fragen des Planens und Bauens, die auch heute brandaktuell sind, immer scharf herausgearbeitet: Zersiedelung und Autobahnbau, Wohnungsnotstand und Energiefragen, ressourcenbewusster Umgang beim Bauen und echte Partizipation der Bevölkerung an der Planung. Und immer gehört er zu den Ersten, die das Problem nicht nur benennen, sondern auch alternative Wege aufzeigen.

Planung und Bauen haben immer auch mit Machtfragen zu tun. Diese Verquickungen mit Spekulation und blinder Wachstumseuphorie hat er klar benannt und mit ironischer Bissigkeit angeprangert. Nicht zuletzt deshalb hat er sich auch politisch engagiert.

Vorläufer, Mitdenker, Komplizen

Auch die «Spaziergangswissenschaften» sind natürlich nicht vom Himmel gefallen. Zahlreiche Philosophen haben zum Beispiel darauf hingewiesen, dass man gehend am besten denkt. Aber auch jedes Kleinkind erschliesst sich die Welt zuerst einmal krabbelnd und be-greifend. Wahrnehmung und Entwicklung sind auch genetisch zwingend an Bewegung gekoppelt.

Sokrates ging auf den Athener Markt, um seine Mitbürger in Gespräche zu verwickeln. Sein Schüler Aristoteles stellte mit der peripatetischen Methode die Gleichzeitigkeit von Gehen und Denken ins Zentrum. Montaigne, Rousseau, Kant und viele weitere sind als begeisterte Wanderer bekannt. Kierkegaard sagt: «Ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen.» Und Nietzsche mahnt: «Traue keinem Gedanken, der im Sitzen kommt.»

Walter Benjamin analysiert den individuellen urbanen Flaneur als den «in das Reich des Konsumenten ausgeschickten Kundschafter des Kapitalisten». Auch Robert Walser war ein passionierter Wanderer und hat darüber in seiner wunderbaren Erzählung «Der Spaziergang», die gleichzeitig seine ganze Poetik enthält, auf seine unnachahmliche Weise reflektiert. Gandhi andrerseits markiert einen Übergang zu Protestdemonstrationen der Massen. Mit seinem mehrwöchigen Marsch zum Meer von 1930 revoltiert er gewaltlos gegen die britische Kolonialmacht und unterläuft, indem er symbolisch Salz sammelt, das britische Salzmonopol.

Die französischen Situationisten erfinden in den Fünfzigerjahren verschiedene künstlerische Konzepte, die durch zielloses oder von Zufallsregeln bestimmtes Umherschweifen eine neue Sicht auf die urbane Umgebung eröffnen. Mit der Psychogeographie kreieren sie auch einen neuen Wissenschaftszweig.

Wenn so viele in diesem Feld tätig sind, was ist dann die bleibende, die besondere Leistung von Lucius Burckhardt? Er führt mit den «Spaziergangswissenschaften» all diese Ansätze zusammen: Das genaue, reflektierende Schauen, die bissige Urbanismuskritik, den scharfen Einspruch gegen die nicht-partizipativen politischen Entscheidungsprozesse, das spielerische Aufzeigen von Alternativen, der Einbezug künstlerischer Impulse. Dies alles in eine umfassende und doch bewegliche wissenschaftliche Methodik gebündelt zu haben, diese Leistung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Aber es geht ja noch weiter

Lucius Burckhardt ist bekanntlich über seinen Tod hinaus ein inspirierender Anstifter. Es ist schlicht unmöglich, auch nur die wichtigsten Weiterungen anzudeuten, die sein Denken und Wirken ausgelöst haben und weiterhin zutage fördern. Ich beschränke mich hier notgedrungen auf ein paar künstlerische und kulturpolitische Impulse.

Der Schriftsteller und Spoken-Word-Autor Guy Krneta zum Beispiel hat einen wunderbaren Text geschrieben, der wie die raffinierte, poetische Umsetzung von Burckhardts kritisch-genauen Landschaftsbetrachtungen in pure Literatur wirkt:

Die Gehkünstlerin Marie-Anne Lerjen ist Expertin für Erkundungsspaziergänge und gestaltet in ihren Performances verschiedenartige Gehexperimente, vom Wetter-Walk bis zum Teppichstangen-Klopf-Spaziergang.

Mit den Stadtspaziergängen «Basel an der Aare» und «Bern am Rhein» tauscht der Historiker und Kabarettist Benedikt Meyer mit einem Verfremdungszauberstab die beiden Städte quasi miteinander aus. Alles eine Frage der Perspektive. (Jetzt übrigens auch im Rahmenprogramm zur Basler Burckhardt-Ausstellung.)

Das Musikwissenschaftliche Seminar der Uni Basel lädt ein zum Audiowalk «StadtspazierKlang» zu den lauten und leisen Hotspots von Basel.

«Wo bitte geht’s denn hier zur Religion?», fragt sich das Lokal für Raumbegehung und erforscht, inspiriert von Lucius und Annemarie Burckhardt, unter professoraler Führung die Um- und Abwege der Religionsgeschichte in der Basler Innenstadt.

Das Kinderbüro Basel bezieht im Projekt Stadtentwicklung auf Augenhöhe 1:20 m Kinder in die Planung und Gestaltung von kinderfreundlichen Aussenräumen ein und leistet damit Pionierarbeit.

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Kinder planen und gestalten kinderfreundliche Aussenräume im Rahmen des Engagements vom Kinderbüro Basel. (Bild: Kinderbüro Basel)
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In Cartoons findet Burckharts umweltpoltisches Engagement seinen Ausdruck. Nachlass L. & A. Burckhardt, UB Basel

Man könnte ewig zitieren aus dem Werk von Lucius Burckhardt und aus dem Wirken, das über seinen Tod hinausweist. Hier müssen zwei kurze, zumindest halbwegs optimistische Aussagen von ihm genügen:

- «Wenn die Wirtschaft einmal die von ihr verursachten Schäden und Risiken selbst tragen muss, wird sie auch wieder umweltfreundlich – so flexibel ist sie noch.»

Lucius Burckhardt

- «Bestimmte Perspektiven kann man wohl nur durch Kunst vermitteln, da die Beschränkung des Blicks heute so weit verbreitet ist, dass die Leute kaum mehr die Distanz haben, sie aufzuheben. Das kann nur die Kunst vermitteln, ohne belehrend oder verletzend zu sein.»

Lucius Burckhardt

Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel:

«sehend denken: 100 Jahre Lucius + Annemarie Burckhardt», Begleitprogramm mit über zwanzig Spezialanlässen bis 13. August 2025.

lucius-burckhardt.org

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Weiterführende Infos zu Lucius und Annemarie Burckhardt:
  • Die Werke von Lucius Burckhardt sind im Martin Schmitz Verlag in Berlin erschienen.
  • Die jüngste Doppelnummer von «Werk, Bauen + Wohnen» ist dem Wirken von Lucius und Annemarie Burckhardt gewidmet: «Die Burckhardts», Nr. 1/2, 2025.
  • Ueli Mäder: Raum und Macht. Die Stadt zwischen Vision und Wirklichkeit. Leben und Wirken von Lucius und Annemarie Burckhardt (mit DVD) Rotpunktverlag, Zürich 2014.
  • Der Band «Anthologie Landschaft» (erschienen bei Lars Müller und Case-Studio Vogt, Zürich 2023) ist eine eindrückliche, 991-seitige Dokumentation des tiefschürfenden kulturwissenschaftlichen Schaffens von Lucius Burckhardt, mit Texten aus 2500 Jahren Kulturgeschichte.

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