Kultur ist nicht alles. Aber ohne Kultur ist alles nichts.

Fünf Jahre nach dem Beginn des Corona-Lockdowns ist in der Collection de l’art brut in Lausanne die Sonderausstellung «Art Brut CUBA» zu sehen. Ein reiner Zufall. Aber der lässt darüber nachdenken, dass sich die Produktion und Rezeption von Kunst als unbedingtes menschliches Bedürfnis erweist.

Kunst ist vielleicht nicht relevant für ein bestimmtes gesellschaftliches System, wohl aber fürs Menschsein. Das zeigt sich gegenwärtig in der Ausstellung «Art Brut CUBA» in Lausanne, und vor fünf Jahren war es im Lockdown Länder übergreifend zu beobachten. Vom 16. März 2020 bis zum 22. April 2022 herrschte in der Schweiz aufgrund der Corona-Pandemie eine «besondere Lage»: das öffentliche Leben wurde während zwei Jahren mal mehr, mal weniger eingeschränkt. Besonders stark betroffen von den Lockdown-Massnahmen war das kulturelle Leben insofern, als es in seinem Wesenskern auf Öffentlichkeit angewiesen ist.

Trotz der allen Bereichen auferlegten sozialen Isolation und der Unmöglichkeit analoger Öffentlichkeit fanden kulturelle Akteur:innen immer wieder neue Wege, um der Bevölkerung das Kunstschaffen zugänglich zu machen: Filmfestspiele, Konzerte aller Musikgattungen, Tanz, Rap, Lesungen, Galerienbesuche und Diskussionsveranstaltungen wurden ins Netz gestellt, und eine ganze Reihe kreativer Menschen, die ihr künstlerisches Talent damals in den neuen sozialen Medien erst entdeckten, konnten dank des grossen Echos sogar eine Laufbahn eröffnen, die sich über den Lockdown hinaus weiter entfaltete, auch analog.

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Das Poster zur Ausstellung in Lausaenne. (Bild: Collection de làrt brut)

Dass viele anerkannte Künstler:innen und noch viel mehr solche, die ihr künstlerisches Talent erst entdeckten, ein Unmass an Gratisarbeit geleistet hatten, wurde dankbar zur Kenntnis genommen, (und vielleicht auch beklatscht wie die riesige Zusatzarbeit der Beschäftigten im Gesundheitswesen). Aber inwieweit wird nun fünf Jahre später auch die öffentliche Diskussion darüber geführt, was das für einen nächsten – durchaus absehbaren – Notfall der ganzen Gesellschaft heissen könnte?

«Aber wir sind doch systemrelevant»

Schon im August 2020, noch mitten in der Covid-Krise, schrieb der deutsche Autor, Cinéast, Film- und Kulturkritiker Georg Seesslen damals im Essay «Rückkehr zur Normalität – Die Rolle von Kunst und Kultur» einen, wie ein Klammerzusatz zum Titel ankündigt, «extrem spielverderberischen Einwurf» zur widersprüchlichen Situation der Kunst- und Kulturschaffenden im Lockdown: «Kultur soll nun helfen im Kampf gegen Angst, Zerfall und Vereinsamung. […] Die Gewinner werden die Streamingdienste und digitalen Unterhaltungshändler sein. Aber wir sind doch systemrelevant schreien die kleinen Kulturschaffenden ganz verzweifelt, und manche werden nicht einmal rot dabei. […] Wenn es ein Projekt des Neoliberalismus zur Abschaffung der Gesellschaft gibt, dann ist zweifellos die Abschaffung von Kultur (wenn vielleicht auch in der Form einer radikalen Privatisierung) ein Kernstück davon (und das wiederum ist eine der vielen Schnittstellen zwischen Neoliberalismus  und Neo-Faschismus). […]  Wir ahnen Fürchterliches: In der Krise und nach ihr soll überhaupt erst so etwas entstehen wie ›systemrelevante Kultur‹. Eine Versöhnungs- und Bewältigungskultur, die die Rückkehr zur Normalität gentrifizieren soll. Eine Kultur als Herzstück der Normalität, die sich, anders als die destruktive Massenkultur, auch medizinisch einigermassen beherrschen lässt. Unglücklicherweise freilich ist selbst eine solche Normalitätskultur ökonomisch nicht weiter von Belang. […]  Was bringt eine Dichterlesung an sozialem Frieden, und was ein Volksfest? So steht zu befürchten, dass sogar das ideologische Selbstopfer der Kultur als ›systemrelevant‹ am Ende umsonst gewesen sein wird.»

Seesslen schloss seinen Essay mit der Einladung: «Der erste Schritt zur Befreiung ist immer noch, die Wahrheit herauszufinden. Auch wenn sie weh tut.» Weh tut diese gesuchte Wahrheit, weil sie in den Widersprüchen liegt, die Seeßlen 2020 aufzeigte, und die sich inzwischen wahrscheinlich noch verschärft haben. Sie betreffen aber nicht nur die Künste, wie sein Text nahezulegen scheint. Auch in anderen Tätigkeitsbereichen, in den Wissenschaften, im Medizin-und Sozialwesen und vor allem auch im politischen Leben der Demokratie wären die Menschen immer wieder dazu aufgerufen, nicht nur systemrelevant sondern auch systemkritisch zu sein. Nur treten die in diesem double bind liegenden Widersprüche wohl in den Künsten am deutlichsten hervor.

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Samuel Feijo (1914-1992) war der Begründer und Förderer der kubanischen Bewegung autodidaktischer Künstlerinnen.

Das zeigt sich gerade auch in dem durchaus löblichen Unterfangen, den Besuch von Kunstmuseen zum Bestandteil sozialer Arztrezepte zu machen, wie das nun in zwei Kantonen der Suisse romande beschlossen wurde.

Angefangen hat 2019 das Universitätsspital Genf, bald gefolgt von anderen Gesundheitsdiensten, so dass im Kanton Genf heute Patient:innen in den Bereichen Palliativmedizin, Diabetologie, Nieren- und Atemwegsrehabilitation, Onkologie und Adipositas im Kanton Genf ein Rezept für einen Besuch des Ethnografischen Museums Genf (MEG), des Museums für Kunst und Geschichte (MAH) oder des Ariana-Museums für Keramik- und Glaskultur bekommen. Jeder Besuch wird begleitet. Im Vorfeld wird ein Kulturcafé organisiert, um die Patient:innen vorzubereiten, und nach dem Besuch nehmen sie an einem Workshop teil. 

Mit dem Arztrezept ins Museum

Die Stadt Neuenburg geht seit dem Februar 2025 noch weiter. Hier sind es nun die Hausärzt:innen der Gemeinde, denen insgesamt 1000 Rezepte zur Verfügung gestellt werden, um ihren Patient:innen den Besuch der vier Museen der Stadt zu ermöglichen: Museum für Kunst und Geschichte, Ethnographisches Museum, Naturhistorisches Museum und Botanischer Garten. Ein Budget von 10'000 Franken, das die Eintrittskosten für die Museen, die Kommunikation und die Koordination des Projekts abdeckt, wird zu gleichen Teilen vom Kanton und der Stadt finanziert.

Die Grundidee ist, dass Museumsbesuche sogar in der Chirurgie, ähnlich wie die Physiotherapie, Teil der prä- und postoperativen Betreuung werden können. Den betroffenen Patient:innen, ob sie operiert sind oder einen Eingriff erwarten, soll der Museumsbesuch nicht nur ein Anlass sein, sich zu bewegen, sondern sich bei der Begegnung mit den Ausstellungsobjekten auch auf etwas anderes konzentrieren als ihren prekären Gesundheitszustand. 

Die Idee, Gesundheitsprobleme nicht nur mit Medikamenten, sondern auch mit sozialen und gemeinschaftlichen Aktivitäten zu behandeln, stammt aus dem Vereinigten Königreich (UK), wo sie schon in den Nullerjahren in Programme der öffentlichen Gesundheitsversorgung umgesetzt wurde. Dank des «social prescribin», der sozialen Arztrezepte, können allgemein praktizierende Ärzt:innen bestimmte Patient:innen an die Sozialdienste überweisen, die einen individuellen Plan zur Verbesserung des Wohlbefindens der betroffenen Personen erstellen und ihnen den Zugang zu verschiedenen Gemeinschaftsressourcen wie Kunst- und Tanzkursen, Gemeinschaftsgärten, Wander- oder Kochgruppen erleichtern.

In einem Bericht des staatlichen Gesundheitssystems NHS aus dem Jahr 2017 heißt es, dieses Projekt habe die Zahl der Hausarztbesuche um 37 % und die Zahl der Krankenhauseinweisungen um 27 % gesenkt. Außerdem soll eine Studie in benachteiligten Londoner Gemeinden ergeben haben, dass 79% der Menschen, die sich mit Kunst beschäftigen, gesünder essen, 77% mehr Sport treiben und 82% sich wohler fühlen.

Kunsttherapie in der Grundversicherung?

Kulturproduktion und -konsum zur Vorbeugung und Behandlung von gesundheitlichen Gebrechen? Die Idee scheint sich auch in der Schweiz zu verbreiten, gerade auch bei den Krankenkassen. «Kunst + Wirkung» lautet das Fokusthema der jüngsten Ausgabe des Kundenmagazins des CSS, der nunmehr zweitgrössten Krankenkasse der Schweiz. 

Unter der Gesprächsführung der Ex-Tagesschau-Moderatorin Beatrice Müller diskutierten für das CSS-Magazin der Kunsttherapeut Christoph Braendle (Psychiatrische Kunsttherapie Baselland), der Kunsthistoriker Marcel Henry (Museo Hermann Hesse Motagnola), der Rapper Grégoire Vuillemier alias Greis, die CSS-Vertrauensärztin Kerstin Ott und der Illustrator und Autor Nando von Arb (Illustration Fiction Kunsthochschule Luzern) über die Frage, welche Auswirkungen das Produzieren und Rezipieren von Kunst auf unsere Gesundheit haben kann. 

Einig sind sich alle fünf, dass Kunst dialogischen Charakter hat und sowohl im Kunstschaffen wie im Kunstrezipieren Dinge zum Vorschein kommen, die sich anders nicht ausdrücken oder wahrnehmen lassen. Das kann befreiend wirken und den Horizont nicht nur auf die eigene Welt, sondern auch auf andere Zeiten und Welten erweitern. Kerstin Ott hofft deshalb, dass das Bundesamt für Gesundheit sich auf das Gespräch darüber einlassen werde, ob sich Kunsttherapie in der Schweiz auch in der Grundversicherung berücksichtigen liesse. Und Beatrice Müller schloss die Diskussion mit der Feststellung: «Wir können die Fortsetzung dieses Gesprächs planen  und vielleicht sogar Frau Bundesrätin Baume-Schneider dazu einladen.»

Für welche ihrer Zuständigkeiten würde sie eingeladen werden? In jener für die Gesundheit oder für die Kultur?

Die beiden Bereiche in der Finanzierungsfrage zu verbinden, käme genau jenem ideologischen Selbstopfer der Kultur als ›systemrelevant‹ gleich, das Seeßlen in der Corona-Krise kommen sah. Die Kulturschaffenden und ihre Verteidiger:innen könnten auch heute zu sehr versucht sein, ihre «Systemrelevanz» dadurch zu rechtfertigen, dass sie ihre berechenbare  ökonomische sowie gesellschaftliche, und im Fall der «social prescribing», auch gesundheitspolitische Relevanz nachweisen. Das ist jene Falle, die Seeßlen damals beschrieb.

Denn letztlich kann künstlerisches Schaffen nicht anders gerechtfertigt werden als das schlechthin Andere unseres gesellschaftlichen Seins, einem Bereich zugehörig, der gerade deshalb so lebensnotwendig ist, weil er anderen Gesetzen folgt als jenen des ökonomischen, gesellschaftlichen, physischen, psychischen oder politischen Nutzens. 

Jedes wirkliche Kunsterlebnis, ob im Schaffen oder Rezipieren, hilft uns, die Welt, uns selbst und auch unsere bisherigen Kunstauffassungen neu und anders, ausserhalb unserer verinnerlichten Kodes wahrzunehmen, sehend, hörend, lesend, und wenn uns und der Welt das gut tut, dann deshalb, weil wir von Grund auf Wesen der Möglichkeit sind. Bereits der italienische Humanist Pico della Mirandola (1463-1494) bestimmte den Menschen als dasjenige Tier, das kein vorgegebenes Wesen habe, sondern selbst entscheide, was er sein wolle. Die grösste Hilfe kann ihm dabei die Kreation von Kunstwerken sein, ob er sie als eigene erschafft oder sich in diejenigen anderer vertieft.

Das anerkennen und fördern kann nur eine Gesellschaft, die sich nicht bloss an verordneten Leistungen und berechenbarem Nutzen orientiert, sondern am Menschen als einem Möglichkeitswesen, das sich am deutlichsten in den Künsten und in der Grundlagenforschung manifestiert, aber auch in gesellschaftlichen und politischen Bewegungen wirksam wird, die sich nicht von den Mächtigsten manipulieren und instrumentalisieren lassen.

Kunst jenseits kultureller und sozialer Konditionierungen

Wie das künstlerische Schaffen für Menschen in der ärgsten Bedrängnis die allerletzte Möglichkeit bleiben kann, sich als Möglichkeitswesen zu bestätigen, zeigt sich in Werken, wie sie in der Collection de l’art brut in Lausanne zu sehen sind. Der französische Maler Jean Dubuffet (1901-1985) suchte in der Mitte des letzten Jahrhunderts nach einer Kunst jenseits kultureller und sozialer Konditionierungen und war überzeugt sie in der kreativen Fruchtbarkeit der von Wahnvorstellungen besessenen psychiatrisch Kranken zu finden. Er legte ab 1945 eine Sammlung von Werken an, die diesen Kriterien entsprachen, und fasste sie unter dem Begriff der «art brut» zusammen. 1971 schenkte er der Stadt Lausanne seine Sammlung von 5'000 Werken und 133 Kunstschaffenden, die die Collection de l'art brut dann ab 1976 der Öffentlichkeit zugänglich machte. 

Kunstwissenschaftler wie Harald Szeemann sahen darin eine unstatthafte Ausgliederung von Kunstwerken in den Schnittbereich von Psychiatrie und Kunst. Umgekehrt betonen Vertreter:innen der Psychiatrie bis heute, die meisten ihrer kreativen Patient:innen seien weder den Herausforderungen und Kreisläufen des Kunstbetriebs gewachsen noch beanspruchten sie den Status von Künstlerinnen und die Anerkennung ihrer Produktionen als Kunst.

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Kunst auf dem Briefumschlag: jenseits des Kunstmarktes.

Michel Thévoz verstand es als Direktor der Collection de l’art brut von 1976 bis 2001, den Begriff auf alle Kunstschaffenden ausserhalb des üblichen Kunstbetriebs auszuweiten, die sich dem Markt ebenso wie den vorherrschenden Traditionen und Gepflogenheiten verweigern. In diesem Sinn nahm er auch mit dem Schriftsteller, Poeten, Maler und Zeichner Samuel Feijó (1914-1992) in Kuba Kontakt auf, der seit 1960 das Kunstschaffen autodidaktischer Künstler:innen auf der Insel gefördert und gesammelt hatte und dazu als Berater des kubanischen Kulturministeriums tätig war.1983 fand unter seinem Kuratorium in Lausanne die Ausstellung unter dem Titel «Art Iventif à Cuba»statt. Jetzt, über dreissig Jahre später knüpft Sarah Lombardi, die Nachfolgerin von Thévoz, mit der Ausstellung «Art Brut CUBA» an die Freundschaft ihres Vorgängers mit Feijó an und zeigt neue Werke kubanischer Autodiakt:innen, die  im Rieira Studio von La Havanna gefördert werden. 

Die Ausstellung dauert noch bis zum 27. April und lohnt den Besuch gerade auch im Hinblick auf die Frage, wie sich eine mögliche therapeutische Wirkung von Kunst mit systemkritischen und gar systemsprengenden Impulsen vereinen lässt. Die Werke der zwanzig «Anartisten», wie sie auch genannt werden, vereinen obsessives Verharren auf bestimmte einfachen Materialien, Formen, Bilder und Zeichen mit einer befreienden Spielfreude, wie sie jedes künstlerische Schaffen kennzeichnet.   

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Héctor Pascual Gallo Portielles, genannt Gallo (1924-2020).

Als Beispiel seien hier nur zwei Künstler kurz gewürdigt, die die Ausstellung auch im Film und in Fotos bei ihren Werken und ihrem Wirken zeigt. Der eine, Héctor Pascual Gallo Portielles, genannt Gallo (1924-2020), war vor 1958 Coiffeur und danach bis 1990 Diplomat und Spion für das kubanische Regime, fiel nach seiner Pensionierung in eine Depression und fing an, weggeworfene oder liegen gelassene Gegenstände zu sammeln und auf der Brache vor seinem Mietshaus zu monumentalen Werken zusammenzubauen. Er nennt das Resultat seines jahrelangen Schaffens «Galerie der Gefühle» und versieht seine Kreationen mit ironischen Sprüchen und Aphorismen. Dieses Ergebnis eines kreativen Kampfes mit der Depression vermittelt eine Leichtigkeit und Lebenslust, die dazu einlädt, sich allen Normen und Zwängen zu widersetzen.

Der heute 42-jährige Daldo Marte hat schon als Kind aus recyceltem Kautschuk kleine Spielfiguren hergestellt und fabriziert nun, seit er erwachsen ist, aus Abfallmaterial Kostüme und Masken von Superhelden, geht darin durch die Strassen von La Havanna, posiert, tanzt und macht gymnastische Übungen. Für ihn selbst sind seine Kostüme und Masken auch Rüstungen, die es ihm ermöglichen, auf seine Umwelt  zuzugehen und sich zugleich vor ihr zu schützen. Seinem Strassenpublikum und nun dem Publikum des Films und der Fotos, die ihm in der Ausstellung gewidmet sind, ist seine Performance Anlass zur Erheiterung und zugleich zu einem ganz ungewohnten Blick auf den Alltag der kubanischen Hauptstadt. 

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Daldo Marte *1983

In der Begegnung mit diesen Ergebnissen der «rohen» Kunst von «Anartisten» lässt sich das erfahren, was Kunst nach Hans Georg Gadamer ist: ein Spiel, das zunächst nichts anderes meint als sich selbst, eine Spielbewegung, in die wir als Mitspieler eintreten, so dass sie für uns bedeutend wird und zugleich in dem Sinn frei bleibt, dass sie nicht auf  Begriffliches hinzielt. Gadamer stellt zur unmittelbaren Begegnung mit Kunstwerken im Museum fest: «[…] und wenn man durch ein Museum gegangen ist, tritt man nicht mit demselben Lebensgefühl, mit dem man in es eingetreten ist, aus ihm wieder heraus; wenn man wirklich eine Erfahrung  von Kunst erfuhr, ist die Welt lichter, ist die Welt leichter geworden.» 

Das bedeutet nicht Versöhnung und Affirmation, wohl aber Freiheit und Lebenslust, wertvoll wohl für Patient:innen, die  Erleichterung suchen, vor allem aber auch für Menschen, die sich der Unbill der heutigen Weltlage widersetzen. «Kultur ist nicht alles. Aber ohne Kultur ist alles nichts», war im Lockdown an Gebäuden zu lesen, die dem Kunstschaffen gewidmet sind. Das müssten sich alle hinter die Ohren schreiben, die an einem freiheitlichen und sozialen demokratischen Leben festhalten möchten. 

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